1. Klassische Therapieformen

Krankengymnastik
Niemand zweifelt an der Notwendigkeit und Wirksamkeit dieses Kernbereiches der Physikalischen Therapie, und dennoch: die Krankengymnastik hat ein Imageproblem. Die Alternativbezeichnung "Heilgymnastik", wäre weitaus zutreffender: Denn es geht nicht allein darum, akute krankhafte Veränderungen zu behandeln, sondern im selben Maße auch darum, aufbauend auf anerkannte Übungs- und Trainingsprinzipien eine dauerhafte und uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit zu sichern. Es geht um die Sicherung eines aktiven Lebens ohne Schmerz. Es geht also in erster Linie um Gesundheit.

"Krankengymnastik" ist ein Sammelbegriff für eine Fülle verschiedener bewegungstherapeutischer Techniken, die nicht nur der Behandlung von Fehlentwicklungen, Erkrankungen und Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparats dienen, sondern auch bei Funktionsstörungen der innerer Organe, des Nerven- und Lymphsystems eingesetzt werden können. Neben einer engen Kooperation von Arzt und Therapeut ist dabei die sorgfältige Abstimmung auf Zustand und Bedürfnisse des Patienten von größter Bedeutung.

Massage
Die Haut ist dasgrößte Sinnesorgan des Menschen: ihre 5 Millionen Nervenenden und 3000 Sinneszellen pro Quadratzentimeter reagieren sensibel auf jeden Kontakt. Das Bedürfnis nach taktiler Fürsorge ist vom Kindesalter an in der menschlichen Psyche verankert, und entsprechend stellt sich durch gezielte Berührungen ein Gefühl der Entspannung und Geborgenheit ein. Die klassische Massagetherapie nutzt diesen psychischen Mehrwert bei ihrer Arbeit mit dem Körper. Dabei werden durch eine planvoll kombinierte Abfolge von Grifftechniken unterschiedlicher Intensität Durchblutung und Lymphfluss angekurbelt und dadurch Lockerung und Schmerzlinderung erreicht. Darüber hinaus ist es möglich, über Reflexzonentherapie gezielt einzelne Organe anzusprechen wie den Darm (Colonmassage), die Knochenhaut (Periostmassage) oder das Bindegewebe.

Ergänzende Behandlungen
Um die Wirkung der aktiv durch den Therapeuten vorgenommenen Behandlungen zu unterstützen, steht in der Physiotherapie ein weites Spektrum ergänzender Anwendungen zur Auswahl. So werden in der Wärmetherapie durch die gezielte Zufuhr von Wärme oder Kälte Durchblutung und Muskeltonus beeinflußt. Wärme, beispielsweise durch Heißluft oder Naturmoorpackungen, wie sie unsere Praxis verwendet werden, wirkt schmerzlindernd und durchblutungsfördernd bei Verspannungen und bereitet die entsprechenden Partien optimal aufdie folgende aktive Behandlung vor. Kältetherapie  in Form von Eispackungen wirkt akut entzündungshemmend. Durch Ultraschallbehandlungen  wird zudem eine schnellere Regeneration tiefergelegener Gewebsschichten erreicht, was bei Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern besonders wichtig ist.

Die "Traktionsbehandlungen" werden in der Praxis im Hof in erster Linie am Schlingentisch durchgeführt. Die Bezeichnung dieser Therapieform leitet sich vom lateinischen trahere = ziehen  ab, womit ihre Wirkungsweise schon angemessen beschrieben wäre: durch manuellen Zug wird der in der Horizontalen in Schlaufen (oder" Schlingen") aufgehängte Körper gezielt entlastet, wodurch sich Gelenkstrukturen lockern können. Dieses entgegen dem ersten verbalen Eindruck äußerst angenehme Verfahren kommt insbesondere bei Beschwerden der Hals-und Lendenwirbelsäule zum Einsatz.

Ein weiteres wichtiges Behandlungsinstrument liefert die Elektrotherapie. Durch sorgfältig auf den Befund abgestimmte Stromformen wird eine Verbesserung der Durchblutung erreicht, darüber hinaus läßt sich die Muskelspannung gezielt beeinflussen, Die Elektrotherapie ist hochdifferenziert und verlangt vom Therapeuten eine entsprechende Qualifikation; der Anwendungsbereich erstreckt sich von Sportverletzungen bis hin zu Lähmungen.

2. Spezielle Therapieformen


Manuelle Therapie
Der Begriff kommt vom lateinischen manus = Hand, und der Therapeut wird bei diesem Verfahren im wahrsten Sinne des Wortes zum Be-hand-ler. Mit speziellen Techniken und ohne die Unterstützung von Geräten wird versucht, in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Gelenke zu moblilisieren. Dieser Eingrifft der heilenden Hände des Arztes oder Therapeuten in die -schmerzhaft oder unmöglich gewordenen - Bewegungen des Patienten wurden schon im vierten vorchristlichen Jahrhundert von Hippokrates beschrieben. Die Manuelle Therapie in ihrer heutigen Form umfaßt ein ganzes System spezieller Verfahren, die der Diagnose und Behandlung von Funktionseinschränkungen am Bewegungsapparat dienen. Es handelt sich hierbei um spezielle Handgrifftechniken, die sowohl bei Funktionsstörungen an den Gliedmaßengelenken, als auch an den Gelenken der Wirbelsäule ihre Anwendung finden. Mit der Manuellen Therapie steht dem Therapeuten eine gezielte, gelenkschonende und meist schmerzfreie Behandlungstechnik zur Verfügung.

Manuelle Lymphdrainage
Alles Leben kommt aus dem Wasser. Der menschliche Körper besteht heute noch zum größten Teil aus diesem Urelement, das sich in unserer Imagination verbindet mit der Vorstellung von Reinigung und Klarheit, Die Lymphgefäße bilden das Reinigungssystem des Körpers, unser internes Schiffahrtsnetz, über das die Abfallprodukte des Stoffwechsels abtransportiert und das Wasser aus dem Gewebe in die Blutgefäße zurückgeleitet werden. Ist das Lymphsystem in seiner Funktion gestört, staut sich das Körperwasser im Gewebe und es kommt zu Schwellungen, sogenannten Ödemen.- Medizinische Erkenntnisse über das Lymphsystem reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert, doch die moderne Lymphdrainage wurde erst in den 30er Jahren von dem dänischen Arzt und Masseur Dr. Emil Vodder entwickelt. Er arbeitet damals in einem Institut für physikalische Therapie in Südfrankreich und beobachtete dabei, dass Patienten mit chronischen Erkältungskrankheiten oft stark geschwollene Lymphknoten am Hals aufwiesen. Vodder massierte - entgegen der damaligen Lehrmeinung - die vergrößerten Halslymphknoten eines jungen Mannes mit vorsichtigen Dreh- und Pumpbewegungen. Der Mann wurde gesund. Die Manuelle Lymphdrainage erfordert eine intensive Spezialausbildung und wird bei uns nach Prof. Földi, einem der führenden Lymphologen, betrieben. Diese Therapie wird eingesetzt zur Auflösung von Ödemen z.B., bei rheumatischen Erkrankungen oder nach Verletzungen, vor allem aber bei Krebspatienten, bei denen die operative Entfernung von Lymphknoten und Chemotherapie häufig ausgeprägte, schmerzhafte Lymphödeme verursacht.

3. Prävention


Craniosacraltherapie
Diese Therapieform kann als ein Zuhören und Verstehen mit den Händen beschrieben werden, Das Medium dieser sensiblen Kommunikation, seine "Sprache" wird gebildet von der feinsten fühlbaren Lebensäußerung des Körpers, dem Craniosakralen Rhythmus oder Puls. Der Name leitet sich her von den lateinischen Bezeichnungen für Schädel (cranium) und Kreuzbein (sacrum). Der Craniosacrale Rhythmus ist die subtile, langsame Pulsation der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, welche auf die Hirn- und Rückenmarkshäute übertragen wird und als feine Bewegung an den Schädelknochen und am Kreuzbein tastbar ist. Über vielfältige Verbindungen ist der ganze Körper in diesen Rhythmus einbezogen. Der Craniosacrale Puls ist ähnlich dem Herz- und Atemrhythmus ein grundlegender Ausdruck unseres Lebendigseins. Mit sanften Berührungen vermögen die Hände des Therapeuten diesem Zyklus von "Ebbe und Flut" zu folgen. Einschränkende Bewegungsmuster können so aufgelöst werden, der Puls gewinnt an Fülle und Ausgeglichenheit. Die Selbstheilungskräfte des Körpers werden unterstützt.

Fußreflexzonenmassage
Die moralische Kernfrage in Quentin Tarantinos Kultfilm PULP FICTION dreht sich darum, ob jemand zu recht erschossen werden darf, weil er der Frau eines Gangsterbosses eine Fußmassage gegeben hat. Die Füße scheinen also eine ganz besonders sensible Körperregion zu sein. Von eben dieser Vorstellung geht die Fußreflexzonentherapie in differenzierter Weise aus: Auf der gesamten Fußsohle, aber auch am Fußrücken und um die Knöchel herum liegen sogenannte Reflexzonen, die - nach einem bestimmte Schema angeordnet - den Körper des Menschen und seine Organe widerspiegeln. Diese Zonen werden mittels spezieller Grifftechniken auf Schmerzhaftigkeit untersucht und über punktuellen Druck eine Harmonisierung herbeigeführt. Reagiert eine Stelle schmerzhaft, so kann dies z.B. auf Fehlbelastung des Bewegungsapparates oder Funktionsstörung eines bestimmten Organs hindeuten.

Rückenschule
Die Entwicklung des Menschen zum Zweibeiner ist aus orthopädischer Sicht eine klare Fehlentscheidung der Evolution. Zwei freie Hände mögen zum Tragen von Speeren oder Öffnen von Raviolidosen zwar nützlich sein, sie werden allerdings bezahlt durch eine massive Mehrbelastung von Wirbelsäule und unteren Extremitäten. Diese Belastung verschärft sich im von Computerarbeitsplätzen und Cocktaillounges geprägten Leben des modernen Großstädters bis zum finalen rien ne va plus : Bandscheibenvorfall etc. Rückentechnisch betrachtet gehören wir also alle zu einer Risikogruppe. Die Rückenschul-Kurse stellen eine Präventionsmaßnahme dar, in der jeder einzelne sensibilisiert wird für die alltäglichen Angriffe auf die Leistungsfähigkeit der Wirbelsäule. In einem fünfwöchigen Kurs lernen die Teilnehmer, wie man bei alltäglichen Verrichtungen wie Sitzen, Stehen, Bücken, Heben und Tragen durch Korrekturen der gewohnten Bewegungsmuster die Wirbelsäule schonen kann. Zur Stärkung der entsprechenden Muskulatur wird ein Gymnastikprogramm eingeübt, das neben Kräftigungsübungen auch Dehnungen und Mobilisationen umfaßt. Der Kurs wird abgerundet durch die Vorstellung verschiedener Entspannungsmethoden. Rückenschule wird von vielen Krankenkassen als Präventionsmaßnahme gefördert - fragen Sie uns oder erkundigen Sie Sich direkt bei Ihrer Kasse. Aktuelle Informationen zu den Kursen und die nächsten Termine finden Sie hier

Kinesio-Taping
Bei den TV-Übertragungen sportlicher Grossereignisse fallen sie in letzter Zeit immer mehr ins Auge, die bunten Pflaster, die mal als schlichte Streifen, mal in kompliziert-dekorativen Mustern die Körper der Athleten zieren. Doch Kinesio-Taping, wie die Behandlung in Anlehnung an die Bewegungslehre Kinesiologie heisst, ist mehr als ein medialer Shootingstar. Die vor dreissig Jahren in Japan entwickelte Methode bietet auch für "normale" Patienten mit Einschränkungen oder Verletzungen des Bewegungsapparates sanfte und spürbare Hilfe. Dies geschieht ohne jede Verwendung von Chemie und faktisch nebenwirkungsfrei, denn die speziell entwickelten und individuell angepassten Pflaster ("Tapes") entlasten über die Haut Muskeln und Gelenke, geben verengte Blut- und Lymphbahnen wieder frei, reduzieren so den Schmerz und stimulieren die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Dies wird im Leistungssport schon lange genutzt, um Verletzungen vorzubeugen und zu behandeln, während die Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit aufrechterhalten bleibt. Kinesio-Taping ist auch deshalb so wirksam, weil es den Kunden durch seinen Alltag begleitet – Therapie to go sozusagen.
Kinesio-Taping gehört leider noch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherer und muss deshalb selbst bezahlt werden. Für ein innerhalb einer verordneten Behandlung angelegtes Tape fallen – je nach Grösse und Aufwand - Materialkosten in Höhe von 4 – 12 € an. Bei externen Patienten wird für einen halbstündigen Termin zur Befundung und Anpassung pauschal 20 € berechnet.

Zur Anschauung vgl.
http://www.youtube.com/watch?v=1yJVQuuRRKA


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